Das Erzgebirge bildet zwischen dem Vogtland im Westen und dem Elbsandsteingebirge im Osten die natürliche Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen Republik. Auf deutschem Gebiet umfaßt es eine Fläche von etwa 4000 qkm. Die ersten Siedler, vorwiegend Sorbischer und Slavonischer Herkunft haben sich im 5. Jahrhundert n.Chr. niedergelassen. Im 11. Jahrhundert bildete das Erzgebirge, die Region zwischen Zwickau, Chemnitz und Dresden und der heutigen Tschechischen Grenze, ein zusammenhängendes Waldgebiet. In den Aufzeichnungen des Merseburgischen Bischofs Thietmar trugen diese Wälder den Namen "Miriquidi" (lat. dunkler Wald). Allerdings dauerte es bis zum 12. Jahrhundert, bis das Gebiet in grösserem Rahmen besiedelt wurde. Die ersten Silberfunde um 1168 nahe der heutigen Bergstadt Freiberg lockten zahlreiche Bergleute und Siedler aus Deutschland und Böhmen an. Um 1188 wurde in der Nähe des heutigen Zwickau eine Siedlung gegründet. 25 Jahre später erhielt das Kloster Chemnitz an der Salzhandelsstrasse das Recht einen Markt zu öffnen. Der einst so dichte Wald begann sich zu lichten. Um die zahlreichen Täler zu kontrollieren wurden auf den umliegenden Hügeln Burgen erbaut, viele davon sind heute noch zu sehen (z. B. die bekannte Augustusburg). Feste Strassen wurden errichtet um die neue Städte und Siedlungen zu verbinden. Heute ist kein Gebirgszug in Europa so dicht besiedelt wie das Erzgebirge.
Danach erlangten die umfangreichen Silberfunde des Westerzgebirges große Bedeutung. Mit ihnen begann die Blütezeit des erzgebirgischen Bergbaus. Er prägte die Entwicklung des wirtschaftlichen Lebens im 15. und 16. Jahrhundert entscheidend. Innerhalb weniger Jahre entstanden in den Zentren des Silberbergbaus die bedeutenden Bergstädte Schneeberg (1471), Annaberg (1496) und Marienberg (1521), die der Sächsische Kurfürst mit zahlreichen Privilegien ausstatte. Dies betraf vor allem die eigene Gerichtsbarkeit, Markt- und Braurechte sowie die Geleits- und Zollfreiheit. Als ein Kennzeichen für den Reichtum dieser "Silberstädte" enstanden zahlreiche monumentale Bauwerke. Besondere Bedeutung erlangten dabei der Freiberger Dom, die Sankt-Annen-Kirche in Annaberg, die Sankt-WoIfgangs-Kirche in Schneeberg sowie die prächtigen Rathäuser jener Städte.
Im Jahre 1439 wurde in den Gruben des Erzgebirges Zinn entdeckt. Dies führte zu einem erneuten Zuzug von Siedlern. Dadurch entwickelten sich im 14. und 15. Jahrhundert im mittleren und östlichen Teil des Erzgebirges auch Zentren des Zinnbergbaues. Der Abbau konzentrierte sich um die Gebiete Geyer, Ehrenfriedersdorf und Altenberg. Da Zinn damals noch als "unedles" Metall galt, erlangte der Zinnbergbau nicht die wirtschaftliche Bedeutung des Silberbergbaues.
Auch das Spielzeugdorf Seiffen, heutiges Zentrum der erzgebirgischen Volkskunst, verdankt seine Entstehung dem Zinnbergbau. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes im Jahre 1324 als "cynsifen" weist daraufhin, daß zunächst Zinnkörner aus dem verwitterten Gestein, welches sich über Jahrtausende im Tal des Seiffener Gebietes abgelagert hatte, ausgewaschen oder bergmännisch "ausgeseift" wurden. Obwohl die Zinngewinnung in den sogenannten "Zinnseifen" noch bis etwa 1700 nachweisbar ist, begann ab etwa 1560 auch der Bergbau im festen Gestein, das heißt, der Abbau in Schächten und Stollen. Insgesamt war die Gewinnung von Zinnerz im Seiffener Gebiet jedoch nicht sehr ergiebig. Die letzte Grube wurde im Jahr 1849 stillgelegt.
Die auf die Luther-Reformation folgende katholische Gegenreformation war für einen weiteren Siedlungsschub, diesmal evangelische Flüchtlinge aus Böhmen, die in den sanften Hügeln des Erzgebirges ein neues Zuhause suchten, verantwortlich.
Nachdem der Bergbau das wirtschaftliche Leben im 15. und 16. Jahrhundert bestimmt hatte, begann er am Ende des 16. Jahrhunderts zu stagnieren. Hauptursachen hierfür waren das Nachlassen der Ergiebigkeil der vorhandenen Lagerstätten, die zunehmenden Aufwendungen für die Erschließung und den Abbau der Erze aus immer tiefer werdenden Gruben sowie der Anfang des 17. Jahrhunderts beginnende Preisverfall des sächsischen Silbers durch die billigen Importe aus Übersee, insbesondere aus Südamerika.
Für die Bergleute des Erzgebirges brach mit dem Rückgang des Bergbaues eine schwierige Zeit an. Ihnen wurde nach und nach ihre Existenzgrundlage entzogen. Auch mit den geringen Erträgen aus der Landwirtschaft auf dem kargen Boden des Gebirges vermochten die Bergleute ihre Familien nicht zu ernähren. Für viele nachfolgende Generationen der mit dem großen Berggeschrei im 15. und 16. Jahrhundert ins Gebirge gezogenen Bergmannsfamilien galt es nun, neue Erwerbsquellen zu suchen.
Große Bedeutung gewann für die Bergleute der im Erzgebirge reichlich vorhandene Werkstoff Holz. Mit ihm war der Bergmann schon aus seiner Tätigkeit beim Ausbau der Gruben oder als Bergzimmerling vertraut. Wenngleich sich diese Umstellung nur langsam und nicht ohne Probleme vollzog, fanden doch zahlreiche Bergmannsfamilien vor allem in den neuen Berufen der Holzverarbeitung oder im textilen Hausgewerbe eine neue Existenzgrundlage. Damit legten sie zugleich den Grundstein für das Entstehen und die Entwicklung der erzgebirgischen Volkskunst.
Im 17. Jahrhundert fiel die Region dem 30-Jährigen Krieg zum Opfer. Die wilden schwedischen Horden zogen plündernd über die Region her.
Anfangs des 19 Jahrhunderts fand die umsichgreifende Industrialisierung ihren Weg in die abgelegenen Hügel. Schwere Industrie begann sich rund um die Bergbaustädte, allen voran Chemnitz, anzusiedeln um den steigenden Maschinenbedarf der Erzminen zu befriedigen. Im Laufe der Zeit begannen sich die Vorkommen zu erschöpfen. Diese Entwicklung brachte viele Erfindungen hervor um die Gewinnungsprozesse zu verfeinern und um die wirtschaftlicheit zu steigern oder auch um gänzlich neue Materialien zu fördern, zB. Kobalt.
In den Zeiten des dritten Reiches wurde die Förderung ein letztes Mal dramatisch gesteigert um Rohmaterialien für die Waffenproduktion zu gewinnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch verschwand der Erzabbau fast völlig aus dem nach ihm benannten Gebirgszug. Einzig das neu entdeckte Uran wurde noch gefördert um die Atomkraftwerke und Atomwaffenfabriken des ehemaligen Warschauerpaktes zu bedienen. Erst 1989 als die Deutsche Demokratische Republik zusammenbrach und sich mit der damaligen Bundesrepublik Deutschland vereinigte, wurde auch der Uranabbau eingestellt, als die unglaublichen Sicherheitsstandards der bis dahin nach sowjetischem Recht betriebenen Uranminen offenbar wurde.
Von den Glanzzeiten des Erzabbaus zeugen heute nur noch Schaubergwerke, Mundlöcher von aufgelassenen Schächten, Pingen, überwachsene Schuttkegel, viele volkstümliche Traditionen und natürlich die liebevollen Weihnachtspyramiden, Lichterbögen und Holzfiguren, die sich oft noch dem Thema Bergbau widmen. |